Wodurch kommt es zum Wechsel im Weltbild?

Wechsel vom humanistischen Weltbild der Antike zum christlich-theozentrischen Weltbild des Mittelalters

Die von Griechen und Römern geprägte Epoche geht zu Ende – das Mittelalter senkt sich über Europa.

  • Das Christentum erobert zuerst das römische Weltreich und dann auch schrittweise den Rest Europas. 380 n. Chr. wird es zur römischen Staatsreligion, 391 werden heidnische Kulte verboten (als monotheistische Religion kann es keine fremden Götter dulden). So wird Europa bis etwa 600 weitgehend christianisiert, hauptsächlich durch die Tätigkeit irischer Missionare. Etwa um 500 beginnt unter König Chlodwig I., der mit seinem Volk geschlossen zum Christentum übergetreten war, der Aufstieg des Fränkischen Reiches, das sehr bald auf den Überresten des Weströmischen Reiches und der Reiche der anderen germanischen Völker seine Vorherrschaft in West- und Mitteleuropa begründet. Den Höhepunkt dieser Entwicklung stellt die Krönung Karls des Großen zum römischen Kaiser durch den Papst an Weihnachten des Jahres 800 dar.
  • Das Römische Reich zerfällt in ein West- und ein Oströmisches Reich (395). Das Weströmische Reich zerfällt 476, während das Oströmische Reich noch bis 1453 überdauert.
  • Die Völkerwanderung (375 – 568) beschleunigt den Untergang des Weströmischen Reiches und damit das Ende der Antike. Unter dem Ansturm der germanischen Stämme und der gefürchteten Hunnen zerbricht die Macht Roms, welche innerhalb der Reichsgrenzen Frieden, Recht und Ordnung garantierte. Rom wird im 5. Jahrhundert n. Chr. mehrmals geplündert und der letzte römische Kaiser 476 n. Chr. abgesetzt.
  • Im Orient entsteht im frühen 7. Jahrhundert eine neue Macht, welche mit dem Weltbild der Antike bricht – der Islam. 632 n. Chr. beginnt die arabische Expansion.
  • Der christliche Glaube setzt der Wissenschaft enge Grenzen und reglementiert alle Bereiche des Lebens.
  • Einen philosophischen Paradigmenwechsel stellt der Übergang von der Antike zum Mittelalter dar, in dem christliches Denken antikes Denken ablöst. Im Jahr 529 n. Chr. wurde die Platonische Akademie in Athen geschlossen und das erste christliche Kloster gegründet, sprich die „platonische“ Zeit der Antike wurde vom Christentum abgelöst.
  • Weil Bildung nur eine Sache der gesellschaftlichen Eliten ist, geht das Wissen der Antike sehr schnell verloren – es überdauert die Jahrhunderte des Mittelalters in den Büchern, aber nicht in den Köpfen der Menschen.

 

Wechsel vom christlich-theozentrischen Weltbild des Mittelalters zum humanistischen Weltbild der Neuzeit
Eine Neue Zeit zieht herauf – die Neuzeit bricht an!

  • Kolumbus entdeckt Amerika (1492).
  • Die Osmanen erobern Konstantinopel (1453), das Oströmische Reich fällt, viele griechische Gelehrte flüchten nach Westeuropa und verhelfen dort dem Humanismus zum Aufblühen.
  • Der Humanismus tritt der mittelalterlichen Scholastik entgegen. „Scholastik“ bezeichnet die Gesamtheit der mittelalterlichen Theologie und Philosophie, im engeren Sinne alle Versuche, die kirchlichen Dogmen des Katholizismus mit philosophischen Mitteln rational begründen zu wollen. War im Mittelalter rationales Denken von der Kirche nur soweit geduldet, wie es die katholischen Dogmen nicht verletzte, weitet sich nun der Raum für eigenständiges, vernunftbegründetes und humanistisches Denken wieder. Löste im Mittelalter christliches Denken antikes Denken ab, so passiert es jetzt umgekehrt.
  • Durch die Erfindung des Buchdrucks (1450) verbreiten sich das neue humanistische Denken sowie die „deutsche“ Lutherbibel sehr schnell.
  • Luthers Thesen leiten die Reformation des Katholizismus ein (1517).
  • Die kulturgeschichtliche Epoche der Renaissance (Wiedergeburt der Ideale der Antike) beginnt.
  • Das geozentrische Weltbild (Ptolemäus: Die Erde ist der Mittelpunkt des Universums und alles dreht sich um die Erde) wird durch das heliozentrische Weltbild (Nikolaus Kopernikus: Die Erde dreht sich um die Sonne) abgelöst. Dieser Wechsel im astronomischen Weltbild läutet das Ende des ideologischen Monopols ein, das die Kirche im Mittelalter innehatte. Das Weltdeutungsmonopol geht von der Kirche (von kirchlich vorgegebenem Denken und dogmatischer Vorherrschaft des christlichen Klerus) schrittweise zu den Naturwissenschaften über.
  • Ein Wechsel im Leitbild vollzieht sich, weg vom christlichen Denken des Mittelalters hin zum humanistischen Weltbild.

 

Was sind die wichtigsten Unterschiede in den Weltbildern?

Der Hauptunterschied besteht darin, ob ein Weltbild von einem Gott oder durch den Menschen selbst geprägt ist.

Ein Weltbild, in dem Gott im Mittelpunkt des Denkens und Handelns steht, ist von diesem Gott überliefert und geprägt. Dieser Gott bestimmt auch, wer seine weltlichen und geistlichen Vertreter auf Erden sind. Diese sollen die Welt nach seinem Willen regieren bzw. verändern.

Ein Weltbild, das den Menschen in den Mittelpunkt rückt und vom Menschen selbst gestaltet wurde, ist das humanistische Weltbild. Es ist menschlich, weil Veränderungen im Leben – im staatlichen wie im privaten Bereich – dank seiner Vernunft vom Menschen selbst vorgenommen werden.

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