Humanistische Gesellschaft

Was heißt es, in einer humanistischen Gesellschaft zu leben?

In einer Welt, in der manchmal Verzweiflung aufkommt über die Zielrichtungen der Menschen und in der das Überleben der Menschheit am Spiel steht, in der oft Unterschiede der Rasse und Religion von skrupellosen Politikern zur Aufwiegelung der Menschen untereinander und zum Schüren von Hass zwischen den Ohnmächtigen verwendet wird, in einer solchen Welt muss man mehr denn je daran erinnern, dass diese Entwicklungen nicht gottgegeben sind, sondern geändert werden können.

Eine humanistische Welt ist eine menschliche Welt, nach menschlichen Gesichtspunkten aufgebaut und für ein artgerechtes Leben des Menschen eingerichtet. Höhere Mächte als den Menschen gibt es nur in Form von Naturgewalten. Alle Menschen unterliegen klaren Machtbeschränkungen, um die Freiheit anderer Menschen nicht zu gefährden. Wir begreifen uns als Teil der Natur und unterliegen ihren Gesetzen, müssen uns aber auch mit ihren Gefahren auseinandersetzen. Das ist dem Menschen seit der Aufklärung in einzigartiger Weise gut gelungen. Daher liegt es auf der Hand, diesen Weg weiterzugehen.

Und zwar durch den Glauben an die schöpferische Kraft des Menschen und seine Anpassungsfähigkeit, durch die Liebe unter uns Menschen, die Quell beständiger kreativer Lebensfreude ist und durch die Hoffnung, die sich aus den unbestreitbaren bisherigen enormen Fortschritten der Menschheit nährt. Diese drei Elemente sind im Besitz der Menschheit und wir dürfen sie nicht umdefinieren oder in eine falsche Richtung umleiten lassen.

Das Leid können wir Menschen nicht ausschalten aber wir können es selbst lindern, indem wir füreinander da sind und Regeln des Umgangs miteinander verhandeln und einhalten. Seit Ausschwitz wissen wir, dass eine höhere Macht, wie immer sie gedacht worden ist, trotz innigstem Beten und Flehen stumm ist und wir selbst so eine höhere Macht sein müssen, die für Gerechtigkeit und ein menschlich erträgliches Leben sorgt.

Diese Haltung in der Hoffnung, dass die Menschen ihr oft unerträgliches und ungerechtes Schicksal real ändern können, durch Zusammenhalt, einen klaren Geist und durch einen unbeugsamen Charakter, der für die Freiheit des Denkens und des Individuums an sich eintritt, nennen wir Humanismus.

Er findet in vielen Bereichen unseres Lebens schon statt, wir müssen ihn nur sehen, erkennen und – am wichtigsten – auch so benennen. Er ist ein Angebot als eine Anti-These zur Religion. Manche Menschen nehmen es nicht an, nämlich dann, wenn sich der Einzelne nicht an der Unvereinbarkeit der wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse über den Ursprung des Menschen und das Werden der Welt mit den Behauptungen und Offenbarungen der Religion stößt.

Ein solcher Humanismus ist keine Ideologie, sondern eine Haltung, die sich durch folgende Charakteristika auszeichnet:

Es ist Menschenbild mit einer Weltanschauung,

  • in der sich jeder Mensch in seiner Individualität zu einem erfüllten Leben entfalten kann, ohne dass dabei das Gemeinwohl vernachlässigt wird,
  • in der jeder gute, jedenfalls genügende Voraussetzungen für eine gesunde und menschenwürdige Lebensführung vorfindet,
  • in der die Wirtschaft für den Menschen da ist und nicht umgekehrt,
  • in der technischer Fortschritt dem Wohl aller dient und nicht nur dem Profitstreben Einzelner,
  • in der ein Innovationsklima herrscht, das auch ungewöhnliche Ideen gelten lässt,
  • in der eine Kultur der entspannten Fröhlichkeit den Ton angibt, statt eines Klimas der Angst,
  • in der demokratisch getroffene Entscheidungen konsensual von allen getragen werden und Gewalt als Mittel der Auseinandersetzungen prinzipiell verpönt ist.

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Wege zum Humanismus

Hausverstand
Eine Welt voll unvorstellbarem Leid: Ein allmächtiger Gott steht dem gleichgültig gegenüber, dann ist er nicht allgütig. Ist er nicht gleichgültig, dann ist er nicht allmächtig und nicht Gott.
Wissenschaft
Jede Theorie muss falsifizierbar sein, sonst ist die Aussage nicht verbindlich. Alle religiösen Offenbarungen sind gesetzt. Sie sind keine nachprüfbaren Aussagen. Jede Zweit- und Drittrealität führt zum gedanklichen Chaos.
Sprache
Der Alltag ist durchdrungen von Denkmustern, Traditionen und Begriffen der Religionen. Wer die Sprache diktiert, hat die Hirne in der Hand.
Geschichte
Die Geschichte der Religionen ist eine unfassbare Ansammlung von schweren Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Soziologie
Menschen lassen sich auf kolossale Dummheiten ein, wenn sie nur zusammen sein können. Gemeinschaft geht vor Logik und Stringenz.
Ethik
Der Mensch ist kein Sünder, sondern er ist wie er ist. Er kann sich seine Regeln sehr gut selbst geben und sie auch den Umständen anpassen.
Religion
Heilige Bücher sind eine Ansammlung von grausamsten Strafandrohungen und Strafphantasien für Nichtgläubige und Nicht-Angepasste.
Pädagogik
Kindern sollte man die Welt erklären, und sie nicht verwirren. Kinder zu prägen ist Unrecht, Geist wie Körper. Niemand prägt mehr den Körper, wie früher, aber indoktriniert wird noch.
Politik
Religion ist Auslegungssache, alles ist vage, damit ist sie das Einfallstor für Willkür. In der Politik ist Religion Gift. Erfolgreiche Staaten trennen Politik und Religion konsequent.
Naturwissenschaft
Die Evolution erklärt die Entstehung des Menschen. Andere Erklärungen sind komplizierter und überflüssig.