Die Peterskirche in Wien ist seit 1970 der Sitz des Opus Dei. “In Wien widmet sich das Opus Dei im Jugendclub Stubentor (für Mädchen) und im Jugendclub Delphin (für Burschen) ausschließlich der Arbeit mit Jugendlichen: Sie entdecken so die wertvolle Verbindung zwischen Schule, Freizeit und Glauben.” So steht es auf der Homepage. Mit “Arbeit” ist offenbar “Bearbeitung” und “Mission” gemeint.

Seit mehr als 60 Jahren ist das erzkatholische Opus Dei in Österreich aktiv. Noch immer darf die sektenartige Organisation in Österreichs Schulen unterrichten und missionieren.

1928 gründete Jose Maria Escrivá das “Opus Dei” (Werk Gottes). Ausgehend von Spanien suchte die erzkatholische Organisation Anhänger in verschiedenen Ländern weltweit. Seit 1957 ist sie auch in Österreich aktiv – und sie ist militärisch straff organisiert. Gehorsam ist das oberste Gebot. Aussteiger wie der heutige Lehrer Georg Döller berichten, “dass man gefügig ist, dass man alles tut, was von oben vorgegeben wird, und das kritiklos.” Damals als Jugendlicher fand er das nicht schlimm, war stolz dazuzugehören. Damals war er 15, Einzelgänger und freute sich über die Einladung in einen Jugendklub des Opus Dei. Ausflüge, Abenteuer, alles nur für Jungs – toll sei das gewesen. Ob er mal zur Messe kommen wolle, zur Besinnungsstunde, fragte ihn ein Student beiläufig. Er sei für Religion empfänglich, sagt Döller, Opus Dei hatte es leicht bei ihm gehabt. Auch das Gefühl, bei etwas Besonderem mitzumachen, tat ihm gut. Auf einer Rom-Fahrt habe man ihn gedrängt, den Aufnahmebrief zu schreiben.

So funktioniert das Opus Dei. Kinder und Jugendliche, die den Wechsel, den sie da unterschreiben, in allen seinen Konsequenzen gar nicht erfassen können, kommen auf eine psychologische Streckbank.

“Gehorcht, wie ein Werkzeug in der Hand des Künstlers gehorcht, das nicht danach fragt, warum es dies oder jenes tut”, heißt es im Hauptwerk des Gründers, “Der Weg”, Nr. 617, eine perfekte Gehirnwaschmaschine. Die Sätze, die man da findet, lassen jeden normalen Menschen erblassen. Im “Weg” Nr. 62 ist zu lesen: “Ein Führer, du brauchst ihn, um dich hinzugeben, dich zu verschenken, im Gehorsam. Ein Führer, der dein Apostolat kennt und weiß, was Gott will.” “Sei Kind. Noch mehr Kind. Aber komme mir nicht in die Pubertätsjahre!” (Nr. 854) ein anderer lautet: “Du – ein Dutzendmensch werden? Zum großen Haufen gehören? Du bist zum Führer geboren!” Damit ist dieses Pamphlet mit seinen 999 Anweisungen schlimmer als so manches klar als rechtsradikal deklariertes Machwerk. Dennoch darf Opus Dei seine autoritären Botschaften weiter in Österreich in den besten Schulen des Landes verbreiten.

Jugendliche Aspiranten, welche die Absicht haben, dem Opus Dei beizutreten, dürfen nicht mit ihren Eltern darüber sprechen. Sie dürfen, wenn sie dann beigetreten sind, an familiären Festlichkeiten (etwa Hochzeiten der Geschwister) nicht mehr teilnehmen. Die Bluts- oder Herkunftsfamilie existiert sozusagen nicht mehr, dafür wird die Gemeinschaft des Opus Dei als die “eigentliche Familie” hingestellt, in der nicht nur der Gründer (auf seinem Sarg steht schlicht “El Padre” – “Der Vater”) beziehungsweise sein jeweiliger Nachfolger eine überragende Stellung einnimmt.

Die Jugendlichen, die dieser Isolierung ausgesetzt sind, geraten damit in eine Falle, aus der es schwierig ist, wieder zu entkommen, da alle Bezugspunkte des “normalen” Lebens wegfallen. Dazu kommen aber die in einem totalitären System üblichen Methoden der psychischen Verfolgung mit Angstparolen: Angst macht Menschen gefügig. Den Rest besorgen geeignete Menschen fast von selbst: Sie wollen von den eingeredeten Sünden los, sie kasteien sich, sie peitschen sich, sie legen Bußgürtel an, sie baden in Unterwerfungssehnsucht, um jenes Maß an Gefolgschaft zu vermitteln, das den “Führer” befriedigt, das aber dann letzten Endes doch nie genügt.

Wie häufig in kirchlichen Angelegenheiten, bleiben die wahren Absichten des Vereins im Dunklen, über Mitglieder gibt es nur Vermutungen, Transparenz ist ein Fremdwort. Die oberste Maxime ist das Schweigen. Die Wahrheit erfährt man nur durch Aussteiger, wie zum Beispiel Peter Hertel und Klaus Steiglehner (“Das Opus Dei, eine Innenansicht”).

Opus Dei ist ohne den spanischen Faschismus unter Franco nicht zu denken. Da hat der unbedeutende Provinzpriester jenen Hintergrund vorgefunden, auf dem er sein “Werk” etablieren konnte. In Burgos knüpfte Escrivá Kontakte zur neuen Führungselite des jungen Franco-Regimes. In den sechziger Jahren stellte Opus Dei eine Reihe von Ministern und andere Technokraten. Das “Werk”, wie es intern genannt wird, hat derzeit nach eigenen Angaben weltweit 92.600 Mitglieder (oder kirchenrechtlich korrekter: Gläubige). Davon leben 70 Prozent nicht-zölibatär (sogenannte Supernumerarier), 30 Prozent leben im Zölibat, entweder in Gemeinschaft (Numerarier) oder in ihrem eigenen Zuhause (Assoziierte). Zwei Prozent sind Priester. Diese werden vom Prälaten unter den männlichen Numerariern und Assoziierten ausgewählt und berufen. In Österreich gibt es circa 20 Priester und an die 400 Mitglieder.

Es muss das Opus Dei, das unter dem Schutzmantel der Kirche fährt, endlich als für unsere Schulen untragbar gebrandmarkt werden, zumal dort Schüler mit totalitärem Gedankengut gefüttert werden und für die Organisation erfolgreich missioniert werden. Ein ehemaliger Religionslehrer meiner Schule hat dies glaubhaft mitgeteilt. Ein besonders intelligenter und seitens der Eltern sehr vermögender junger Mann sei in den achtziger oder neunziger Jahren für das Opus gewonnen worden und nach Rom gegangen. Sein weiteres Schicksal ist nicht bekannt. Man hat damals sogar den Kardinal damit befasst und Einschränkungen für das Opus Dei erreicht.

Wenn man solche Informationen weitergibt, lebt man gefährlich. Wie so oft bei solchen sektenartigen Organisationen, die jede auch noch so geringfügige Gefährdung ihres Rufes als segensreiche Institution erbarmungslos verfolgen, selbst wenn dies faktisch belegt werden kann. Sie verfügen über ungeahnte Mittel, denn sie haben keine Hemmungen, an sehr vermögende Personen heranzugehen, die dann manchmal ihr ganzes Vermögen verlieren. Ein besonders krasser Fall ist der spanische Mulitmilliardär José María Ruiz Mateos Jiménez de Tejada. Er war ein erfolgreicher spanischer Unternehmer, der für das Opus angeworben wurde und fast sein ganzes Vermögen verlor. Nachdem der große Misch-Konzern Ramasa am Rande des Abgrundes stand, wurde der Rest verstaatlicht, um ihn zu retten.

Dass das Opus bestens vernetzt ist und in höchsten Kreisen agiert, hat man in Wien erst vor kurzem erlebt, als der Wiener Stadterweiterungsfonds aufgelöst wurde und unter anderem auch das Opus für seine Pontifikaluniversität zum Heiligen Kreuz in Rom, die unter Leitung des Opus Dei steht, 100.000 Euro als “Spende” einsammelte. Diese Spende aus öffentlichen Steuergeldern fand die “einstimmige Zustimmung” des Kuratoriums, wie sich aus Unterlagen im Akt erschließt. Den maßgeblichen hohen Beamten wurden vor den Augen des Kardinals und der Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner ungeniert ein hoher päpstlicher Orden verliehen. Der Stadterweiterungsfonds hatte ursprünglich zum Ziel, den Ausbau der Ringstraße nach der Schleifung der Stadtmauern zu fördern. Das übriggebliebene Geld schenkte man einfach an kirchliche Organisationen wie Opus Dei.

Dass mit dem Opus Dei nicht gut Kirschen essen ist, das habe ich selbst bei einem Bekannten, einem belgischen Adeligen, erlebt, der in einem Radio-Feature am Samstagmorgen seine unfassbar grausame Missbrauchsgeschichte in berührender Weise einer Journalistin erzählt hat. Die Sendung wurde auf Betreiben des Opus Dei mit einem Ausstrahlungsverbot belegt und ist meines Wissens seither auch nie mehr gesendet worden. Die ins kleinste Detail ausgeführten Schilderungen des Vorfalls dürfen nicht mehr als Tatsachen in der Öffentlichkeit behauptet werden. Es gab auch keine Nachforschungen und Zeugenbefragungen.

Aus all den genannten Gründen ist es unverantwortlich, das Opus Dei, als Erziehungsverantwortliche in Sachen Religion in Schulen einzusetzen. Nachzuweisen ist das zum Beispiel im Fall der Nobelschule “Theresianum”, wo das Opus Dei Mitglied Dr. Christian Spalek seit Jahrzehnten seinen Dienst versieht. Opus Dei kann nach einem Urteil des Schweizer Bundesgerichts als Geheimorganisation bezeichnet werden. Der Philosoph Michael Schmidt-Salomon von der Giordano Bruno-Gesellschaft sieht sogar ein “Demokratiegefährdungspotential”.