Vision zum Ethikunterricht in Österreich

Hier sei eine Vision von einem echten Ethikunterrichtsideal aufgezeigt, wie es im Sinne der Schüler und Schülerinnen und der Lehrer sowie der Mehrzahl der Eltern wäre:

Der Wahnsinn einer Schulorganisation mit 15 und wahrscheinlich bald noch mehr verschiedenen Religionsunterrichten von anerkannten Religionen wird abgeschafft, was zu einer ungeheuren Erleichterung in der Organisation des Schulalltages und zu einer Kostenreduktion führt.

Anstatt dessen wird ein flächendeckender Ethik- und Religionenunterricht eingeführt, der das Wissensgebiet, nicht aber das Glaubensgebiet Religionen umfasst. Der Staat soll in einem säkularen Staat neutral  sein, das geht nur, wenn er keine Religion privilegiert. Der Religionsunterricht wird – wie in Luxemburg – in die Verantwortung der Religionsgesellschaften zurückgelegt.

Der Glaube einer Religion muss im Sinne der Religionsfreiheit, die der Staat garantiert, eben durch diese Religions-Neutralität gesichert werden und der Staat darf sich nicht mit einzelnen Religionen verbünden, auch nicht, wenn sich diese in der Vergangenheit Verdienste erworben haben. Staaten, die sich an diese Regel halten, sind erfolgreich. Eine Binsenweisheit besagt,  je theokratischer Staaten sind, umso totalitärer und umso weniger erfolgreich sind sie auf allen Linien.

Der vorliegende Gesetzesentwurf dient den Fundamentalisten der gesetzlich anerkannten Religionen, nicht aber den Betroffenen. Es wird das schon bisher komplizierte System weiter verkompliziert und verteuert. Die Trennung von Staat und Religion tut nicht nur der Gesellschaft gut, sondern auch den Religionsgesellschaften. Mit dieser Vision werden alle absehbaren  Probleme gelöst:


1. Integration. Der Staat sorgt für die geistige Integration der jungen Leute im Sinne der Aufklärung und erzieht sie im Sinne einer Pädagogik der gegenseitigen Verständigung, der Diskussionskultur und des Respektes.

2. Sozialisation. Wissen über den Anderen führt zu einer besserenSozialisation, die nicht gegeneinander, sondern miteinander Erkenntnisse des  besseren Zusammenlebens erarbeitet. Gegenwärtig wird Religion häufig als Schutzschild für nationale und ethische Partikularinteressen missbraucht.

3. Gewissenskonflikte. Die Lehrer, die im Sinne der Religionsgesellschaften möglichst beide Fächer unterrichten sollen, kommen nicht mehr in einen Gewissenskonflikt. Ein guter Ethiklehrer kann kein guter Religionslehrer sein und umgekehrt, weil Ethik als wissenschaftliche Disziplin einen kritischen Umgang mit der Materie voraussetzt und der Glaube der Religion auf die unkritische Annahme von sog. „Glaubens-Wahrheiten“ setzt, die nicht weiter hinterfragt werden dürfen.

4. Qualität. Ein fachlich hochstehender Ethik-Unterricht wäre möglich, wenn der Unterricht nicht in Konkurrenz zum Religionsunterricht steht, weil nicht zwei Fächer gegeneinander kämpfen dürfen, was die Kinder und Jugendlichen eher verwirrt als sie zu bilden. Das gleiche gilt für ultrakonservative Religionsgruppen, die sogar die Evolutionstheorie in Abrede stellen wollen.

5. Demokratie. Der Staat als Schulträger fördert nicht mehr anti-demokratische Glaubensinhalte. Bei manchen Religionslehrern war das ein Problem. Korchide fand z.B. 2009 heraus, dass 25% der Religionslehrer Islam und Demokratie für unvereinbar halten. Der Ethikunterricht muss nach einem staatlich akkordierten Lehrplan unterrichtet.  Das sind Fakten.

6. Diskriminierung durch Notengebung. Neue Probleme würden vermieden, die durch die Neudefinition des  Begriffes „Pflichtfächer“ geschaffen werden. Das hat eine diskriminierende Notenbewertung zu Ungunsten der konfessionsfreien SchülerInnen zur Folge. „Religionsschüler“ würden im Schnitt einen besseren Notenschnitt erreichen als die „Ethikschüler“, eine Regelung, die sicher ohnehin nicht vor dem Verfassungsgerichtshof hält.

Die Einführung des Ethikunterrichtes wie geplant ist ein Rückschritt und hat unter dem Strich zur Folge, dass die seit rund einem halben Jahrhundert geltende Regelung der Abmeldung vom Religionsunterricht gekippt wird und der Religionsunterricht für alle durch die Hintertür wieder eingeführt wird. Wer jetzt die Regelung begrüßt und hofft, dass dieser Schritt zur Einführung des Ethikunterrichtes für alle der erste ist und der zweite alsbald folgt, der glaubt nicht an Gott, sondern an das Christkind.