Präsident Dr. Gerhard Engelmayer

Es gilt, einiges aus der Warte der Humanisten richtig zu stellen. Dazu der Präsident des Humanistischen Verbandes Österreich, Dr. Gerhard Engelmayer:

Österreichische säkular-humanistische  Organisationen wie der HVÖ (Humanistischer Verband Österreich) würden gerne als Institutionen ebenso wie Religionen mehr zu Bildung, Soziales und Ehrenamt beitragen, wenn man sie nur ließe. Bislang ist es nicht einmal möglich, eine rechtliche Gleichstellung zu den Religionen zu erlangen, wie dies in Deutschland mit den säkularen Weltanschauungsgemeinschaften der Fall ist. Die Zahl der Konfessionsfreien ist übrigens mittlerweile auf 25 % gestiegen und liegt nicht bei 20%, wie Minister Schallenberg und Kardinal Schönborn behaupten. Ein Viertel der Bevölkerung völlig zu ignorieren und auch in den Medien praktisch zu ignorieren,  ist unfair und  ein beständiger Bruch des Rundfunkgesetzes.

Österreichische säkular-humanistische  Organisationen wie der HVÖ (Humanistischer Verband Österreich) würden gerne als Institutionen ebenso wie Religionen mehr zu Bildung, Soziales und Ehrenamt beitragen, wenn man sie nur ließe. Bislang ist es nicht einmal möglich, eine rechtliche Gleichstellung zu den Religionen zu erlangen, wie dies in Deutschland mit den säkularen Weltanschauungsgemeinschaften der Fall ist. Der von Fr. BK Brigitte Bierlein genannte Artikel 17 des Lissabon – Vertrages legt nämlich genau das fest:  „Die Union achtet in gleicher Weise den Status, den weltanschauliche Gemeinschaften nach den einzelstaatlichen Rechtsvorschriften genießen. Die Union pflegt mit diesen Kirchen und Gemeinschaften in Anerkennung ihrer Identität und ihres besonderen Beitrags einen offenen, transparenten und regelmäßigen Dialog.“ Wenn es – wie auch auf der Seite des Bundeskanzleramtes zu lesen – eine grundsätzliche religiös/weltanschaulichen Neutralität des Staates gibt, dann sollten religiöse und nicht-religiöse Bekenntnisgemeinschaften gleich gestellt sein.

Davon ist in Österreich keine Rede, während auf EU-Ebene am 11. April 2018 ein Treffen mit den Führern der nicht-religiösen Organisationen analog zu den religiösen stattfand.  

Die Zahl der Konfessionsfreien ist übrigens mittlerweile auf 25 % gestiegen und liegt nicht bei 20%, wie Minister Schallenberg und Kardinal Schönborn behaupten. Ein Viertel der Bevölkerung völlig auszuschalten und auch in den Medien praktisch zu ignorieren,  ist unfair und  ein beständiger Bruch des Rundfunkgesetzes.

Ein besonderer Affront den Säkularen gegenüber ist die Behauptung, dass Kirchen und Religionen die „primären Ethos-Geber“ sind. Wenn das der Fall wäre, dann hätte die Welt anders aussehen müssen, nach der fast 1000 jährigen Periode, in der die Kirche die absolute politische Macht innehatte. Das Ergebnis ist jedoch niederschmetternd. Nicht nur, dass die Kirche und die Religionen die größten Kriege, die Religionskriege, hauptsächlich zu verantworten haben, in denen ein Drittel der europäischen Bevölkerung hingeschlachtet wurde, auch die Moral der Menschen und ihre Kultur ist nachhaltig geschädigt worden, nämlich in Richtung Fremdbestimmung, Ungleichheit und Autoritätsgläubigkeit, Bildungsferne, Körperfeindlichkeit, Realitätsferne, Intoleranz und Wahrheitsbesitz, Stammesdenken, sowie statisches Denken, was in unserer sich rasch verändernden Welt eine „Kardinal-Sünde“ ist. Alle diese Schädigungen der Gesellschaft sind durch die heilende Wirkung der Aufklärung gemildert worden und die Kirche hat selbst Reformen in diese Richtung nach Jahrhunderten begonnen. So ist die Demokratie als Gesellschaftsform beim II. Vaticanum anerkannt worden.

Diese Schädigungen sitzen noch tief in unserer katholisch geprägten Kultur. Sie sind bei den rückständigen Teilen unserer Bevölkerung (wie bei den Identitären und Teilen der FPÖ) nach wie vor zu beobachten. Nirgendwo darf darüber gesprochen werden und bei Sonntagsreden wird, wie hier, das Gegenteil behauptet.

Wer glaubt, dass „eh alles nicht so schlimm ist“, der möge sich in Erinnerung rufen, dass wir hier in Europa von einer Dame regiert werden, die noch vor Kurzem die Menschenrechte als Zusammenfassung der 10 Gebote gesehen hat. Es fehlt also an einem Geistesleben state-of-the art, an humanistischer Bildung, an Ethikunterricht für alle Kinder, an Selbstbestimmung, vor allem am Ende des Lebens, an konfessionsfreiem Ethos, das Wahrheitsbesitz kategorisch ablehnt. Es fehlt an Toleranz, nun nicht mehr gegenüber anderen Religionen, sondern vis-a-vis einem Viertel  der Bevölkerung. Diese Konfessionsfreien werden täglich mehr und haben keine gleichen Rechte, die Religionen sind privilegiert, warum kann niemand erklären, denn das ist klar gegen europäisches Gesetz. Es ist halt schon sehr lange so. Es fehlt vor allem an dem politischen Willen, den Religionen nicht liebedienerisch und kniefällig  zu begegnen, sondern achtungsvoll distanziert, wie es dem Staat (und seinen Vertretern) ziemt, der die Trennung von Kirche und Staat gesetzlich verankert hat.